Parkplatzsituation = Umsatz
Strategiekonzept

Antrag: Innenstadt in Schieflage: Warum Kunden Stuttgart meiden
Die Attraktivität der Stuttgarter Innenstadt steht seit Jahren unter erheblichem Druck. Eine lebendige, wirtschaftlich stabile und zukunftsfähige Innenstadt lebt von mehreren zentralen Faktoren: einer ausgewogenen Mischung unterschiedlicher Einzelhandelsangebote, inhabergeführten Geschäften und Filialisten, einer hohen Aufenthaltsqualität, Sauberkeit, Sicherheit, einer ansprechenden städtebaulichen Gestaltung sowie attraktiven Gastronomie- und Kulturangeboten. Ebenso entscheidend ist eine gute und verlässliche Erreichbarkeit für alle Besuchergruppen.
Hierzu zählen eine leistungsfähige Anbindung mit dem öffentlichen Personennahverkehr, ausreichend Fahrradwege, eine gute fußläufige Erreichbarkeit sowie – gerade für Besucher aus dem Umland – eine attraktive Erreichbarkeit mit dem eigenen Kraftfahrzeug.
Die Ergebnisse der IFH-Studie„Vitale Innenstädte 2024“ zeigen deutlich, dass sich die Wahrnehmung der Parkmöglichkeiten in der Stuttgarter Innenstadt massiv verschlechtert hat und damit den Anforderungen an eine attraktive und leistungsfähige Erreichbarkeit der City in keiner Weise mehr gerecht wird. Wurden die Parkmöglichkeiten im Jahr 2022 noch mit der Schulnote 3 bewertet, so fallen sie in der aktuellen Studie inzwischen in den rot gekennzeichneten Bereich der Schulnoten 4 bis 6. Damit weist Stuttgart in diesem zentralen Kriterium die schlechteste Bewertung aller für die Landeshauptstadt erhobenen Kriterien auf.
Diese Benotung steht im deutlichen Widerspruch zur Auszeichnung Stuttgarts als „vitalste Innenstadt Deutschlands“ im Jahr 2024. Der Titel beruht ausschließlich auf einer Frequenzmessung und lässt keine Aussagen über die tatsächliche wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Innenstadt oder die Umsatzentwicklung im Einzelhandel und in der Gastronomie zu. Zudem verfügt Stuttgart im Wesentlichen über eine zentrale Einkaufsmeile, während andere Großstädte mehrere hochfrequentierte Einkaufsstraßen und mehr Messpunkte aufweisen. Dadurch ist die Vergleichbarkeit eingeschränkt. Der Titel sollte daher mit Vorsicht bewertet werden und darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Probleme bestehen.
Die wirtschaftliche Realität in der Stuttgarter Innenstadt ist von zunehmenden Herausforderungen geprägt. Regelmäßig berichten lokale Medien über Geschäftsaufgaben und Insolvenzen inhabergeführter Einzelhandelsbetriebe, darunter auch Unternehmen mit jahrzehntelanger Tradition am Standort Stuttgart. Auch die Kennzahlen zur externen Kaufkraft passen hier ins Bild. Eine Kaufkraftkennziffer von 112,5 ist im regionalen Vergleich kein Wert, der Anlass zum Optimismus gibt. Besonders deutlich wird dies im Vergleich mit Standorten im Umland, die eine hervorragende Pkw-Erreichbarkeit mit einem großzügigen, kostenlosen und direkt am Einzelhandel gelegenen Parkplatzangebot aufweisen. Sindelfingen erreicht eine externe Kaufkraftkennziffer von 170,7 und Ludwigsburg von 158,5. Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Landeshauptstadt im Wettbewerb um kaufkräftige Kunden aus dem Umland einen erheblichen Attraktivitätsnachteil aufweist.
Selbstverständlich ist der CDU-Fraktion bewusst, dass solche Werte nicht eins zu eins auf eine Großstadt wie Stuttgart übertragbar sind. Sie machen jedoch deutlich, welches Potenzial durch eine verbesserte Erreichbarkeit der Innenstadt – insbesondere durch eine attraktive Parksituation – besteht. Gerade Besucher aus dem Umland sind für die Überlebensfähigkeit des innerstädtischen Handels und der Gastronomie von zentraler Bedeutung. Hohe Parkgebühren, eine als nutzerunfreundlich empfundene Parksituation sowie fehlende Anreize führen dazu, dass diese Zielgruppe auf alternative Standorte im Umland ausweicht.
Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der CDU-Fraktion dringend erforderlich, die Parkmöglichkeiten in der Stuttgarter Innenstadt neu zu bewerten und strategisch weiterzuentwickeln. Dabei muss der Fokus ausdrücklich auf innerstädtischen Parkmöglichkeiten liegen, die eine direkte und fußläufige Erreichbarkeit von Einzelhandel, Gastronomie sowie der zentralen Innenstadtlagen ermöglichen. Park-and-Ride-Konzepte oder eine Verlagerung des Parkens an den Stadtrand können ergänzend sinnvoll sein, stellen jedoch keinen Ersatz für eine attraktive Parksituation in der City dar. Ziel muss es vielmehr sein, Besuchern den Zugang zur Innenstadt insgesamt zu erleichtern und den innerstädtischen Einzelhandel und die Gastronomie unmittelbar zu stärken.
Wir beantragen, dass die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart und die City-Initiative dem Wirtschaftsausschuss bis zur Sommerpause einen Bericht zu folgenden Punkten vorlegt:
1.) Analyse und Einordnung der IFH-Studie „Vitale Innenstädte 2024“ sowie des „Vital-City-Awards“
Analyse der im Vergleich zur IFH-Vorgängerstudie deutlich verschlechterten Bewertung der Parkmöglichkeiten, die inzwischen den roten Bewertungsbereich erreicht haben, einschließlich einer Darstellung der maßgeblichen Ursachen dieser negativen Entwicklung.
Zudem Bewertung und Einordnung des „Vital-City-Awards“ im Hinblick auf dessen Aussagekraft und Relevanz für die Beurteilung der tatsächlichen Situation und Entwicklung der Innenstadt.
2.) Bericht zur aktuellen Parksituation
Darstellung der derzeitigen Parkmöglichkeiten in der Stuttgarter Innenstadt einschließlich der jeweils anfallenden Parkkosten für die Nutzer sowie der aktuellen Erkenntnisse zur Auslastung der Parkhäuser. Dabei soll insbesondere ein Vergleich der Auslastung an Werktagen, samstags sowie zu Zeiten größerer Veranstaltungen (z. B. Festival der Kulturen, Weindorf, Weihnachtsmarkt) erfolgen.
3.) Maßnahmen zur Stärkung innerstädtischer Parkangebote
Darstellung konkreter Ansätze zur Verbesserung des innerstädtischen Parkangebots mit fußläufiger Erreichbarkeit von Einzelhandel, Gastronomie und weiteren innerstädtischen Angeboten sowie Benennung kurz-, mittel- und langfristiger Maßnahmen, mit denen die Attraktivität der Parkmöglichkeiten in der Innenstadt für Besucher spürbar und nachhaltig gesteigert werden kann.
4.) Finanzielle Auswirkungen der vorgeschlagenen Maßnahmen
Darstellung des voraussichtlichen finanziellen Aufwands, mit dem die Landeshauptstadt Stuttgart bei der Umsetzung der unter Punkt 3 dargestellten kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Maßnahmen zur Stärkung der innerstädtischen Parkangebote rechnen müsste.
Antragssteller: Nicole Porsch / Klaus Wenk / Marjoke Breuning / Micchael Warth / Bianka Durst
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