Mitarbeiterwerbung


Deutschlandweit

Antrag: Zahlreiche unbesetzte Stellen in der Stadtverwaltung – Bei der Suche den Blick deutlich über den Talkessel hinaus schweifen lassen

In den letzten Wochen wurde ein leider nicht neuer Zustand noch mal sehr deutlich erlebbar in der Öffentlichkeit diskutiert (Bürgerbüros). Der Stadtverwaltung fehlen zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Summe über 1.300 Arbeitskräfte. Diese hohe Zahl offener Stellen erklärt sich natürlich auch daraus, dass der Gemeinderat vor ungefähr einem halben Jahr knapp 1.000 neue Stellen zusätzlich geschaffen hat. Wegen der notwendigen Genehmigung des städtischen Haushalts durch das Regierungspräsidium konnten erst seit knapp drei Monaten Stellen ausgeschrieben und jetzt besetzt werden. Unsere Personalverwaltung macht hier explizit einen sehr guten Job und holt etliche Versäumnisse der zurückliegenden Jahre nach.

Obgleich sind die Auswirkungen durch unbesetzte Stellen so vielfältig wie die Aufgaben der Stadtverwaltung auch. Vor den Bürgerbüros bilden sich seit Wochen unerträgliche Schlangen von Wartenden, Ehrenamtliche von Feuerwehr und THW können nicht mehr mit ihren Lkws fahren, weil die Führerscheine wegen Überlastung nicht verlängert werden. Im Jahresabschluss 2021 des städtischen Haushalts finden sich noch mal mehr Bauprojekte, die zwar vom Gemeinderat finanziert und dringend nötig sind, aber wegen fehlender Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hochbauamt noch nicht gebaut wurden. Dazu stapeln sich im Baurechtsamt (digital) die Bauanträge und die Wartedauer auf eine Genehmigung liegt weit über der vorgeschriebenen gesetzlichen Frist. Die Liste könnte mit ganz vielen weiteren Problemen fortgeführt werden und erhebt damit in keiner Weise einen Anspruch auf Vollständigkeit – leider.

Stadtverwaltung sowie Gemeinderat haben gemeinsam in der Vergangenheit schon zahlreiche Ideen entwickelt und umgesetzt, die das Problem lindern sollen. Bezahlung von Zulagen in speziellen Bereichen, zusätzliche Anreize wie bezuschusste und attraktive Kantinen oder das Job-Ticket. Fortführend den Einsatz von speziellen Recruiting-Teams, die Schaffung von Mitarbeiterwohnraum und nicht zuletzt auch die hervorragende Werbekampagne "Stuttgart von Beruf". Dies sind nur exemplarische Beispiele und alle haben einen Teil zur Verbesserung beigetragen. Große Projekte wie das von der CDU-Fraktion angestoßene hochmoderne neue Verwaltungszentrum "Office-Hub" mit einem attraktiven Arbeitsumfeld, – wenn sich der Gemeinderat im Herbst endlich für ein Projekt entscheidet, – können ein wichtiger Zukunftsbaustein sein.

Alle Beteiligten sind sich aber auch bewusst, den einen Lösungsansatz für das gewaltige Problem gibt es nicht – auch die oft geforderte Großstadtzulage für alle Beschäftigten würde nicht zur Besetzung von deutlich mehr Stellen führen. Ein bunter Mix an Maßnahmen ist notwendig in der Hoffnung, dass
möglichst viele potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darin ein für Sie attraktives Angebot finden.

Spätestens seit Corona und dem dadurch ausgelösten Schub im Bereich der Digitalisierung der Arbeitswelt erleben wir zunehmend in Unternehmen, dass der Sitz des Unternehmens sowie der Wohnort der jeweiligen Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters nicht mehr zwingend in der gleichen Region beziehungsweise im gleichen Bundesland liegen müssen. Ein digitales Arbeiten von zu Hause aus und eine stark reduzierte Präsenz am Unternehmenssitz (zum Beispiel zwei Tage alle zwei Wochen) schaffen für Unternehmen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ungeahnte positive Möglichkeiten. Ganz im Sinne von "best of both", können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Wohnsitz beibehalten, um ihre persönliche Lebensqualität zu genießen, die Kinder können in ihrem angestammten Umfeld bleiben. Günstiger Wohnraum im ländlichem Gebiet und ein attraktiver
Arbeitgeber schließen sich so nicht aus.

Übertragen auf die Stadtverwaltung steht für uns natürlich außer Frage, dass dies in vielen Bereichen leider nicht möglich ist. Denken wir nur an die Ärzte im Klinikum, die Kollegen in der Abfallwirtschaft oder die Erzieherinnen in den Kitas. Nichtsdestotrotz sehen wir großes Potenzial für diesen Ansatz. Wo der Bauantrag (der mittlerweile digital eingereicht werden muss), bearbeitet wird, ist dem Bauherren ziemlich egal – Hauptsache er wird fristgerecht behandelt. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter im Hochbauamt kann seine Projektsteuerung für zum Beispiel einen Schulneubau sehr gut vom heimischen Schreibtisch aus bearbeiten. Es bedarf nur einer Besprechung alle zwei Wochen mit Architekt und Handwerkern auf der Baustelle. Die Kommunikation zwischen den Präsenzterminen in Stuttgart geschieht per Mail, Telefon oder Videokonferenz mit den notwendigen Beteiligten.

Um bei der Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bundesweit erfolgreich zu sein, bedarf es nach unserer Überzeugung zwei zentralen Ansätzen.

Erstens benötigen wir eine Strategie, auf welchen Kanälen und wo wir in Deutschland nach entsprechenden Fachkräften suchen. Die digitale Ausgabe des Stuttgarter Amtsblatts kann hier nicht ausreichend sein.

Zweitens müssen wir als Ersatz oder zusätzlich zu unseren bisherigen lokalen Angeboten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Job-Ticket, Kantinen, Sportangebote oder Ähnliches weitere Angebote für die Zielgruppen entwickeln. Dazu könnte nach unserer Ansicht zum Beispiel eine stark bezuschusste "Bahncard100" zählen, attraktive Übernachtungsmöglichkeiten für die Präsenztage, eine Investition in notwendige Internet-Infrastruktur am Wohnort oder natürlich auch das digitale Abonnement der lokalen Tageszeitungen.

Wir sind der festen Überzeugung, dieser Mosaikstein der Personalgewinnung kann uns helfen, die prekäre Situation in mehreren Ämtern zu verbessern und dadurch unseren Bürgerinnen und Bürgern wieder einen besseren Service bieten zu können.

Wir bitten die Verwaltung, diesen Antrag im Herbst 2022 auf eine Sitzung des Verwaltungsausschusses zu setzen und dazu zu berichten.

Antragssteller: Alexander Kotz / Jürgen Sauer / Iris Ripsam / Dr. Markus Reiners

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Hier finden Sie den Antrag zum Downloaden:

Antrag als PDF (193,4 KiB)

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